Burghard Müller-Dannhausen

Ein Hauch natürlichen Lebens

Das Kunstkonzept soll öffnen. Es soll herausführen aus dem Kokon, der Isolation, der Gebundenheit an den Krankheitszustand. Es soll die Brücke schlagen nach draußen zur Weite und zum Reichtum des Lebens. Deshalb holt es Lebenssignale herein – auf stille, behutsame Art.

Video-Installationen sollen eine Imagination schaffen. Sie sollen eine Situation inszenieren, als schiene die (tiefstehende) Sonne in den Innenraum und werfe Schatten auf Wände und Decken – helle, zartgraue Schatten von Ästen und Blättern, die sich leicht im Wind bewegen. Es soll wirken wie echt, so als stünden diese Bäume draußen vor der Fensterfront und werfen ihre Schatten herein.

Tatsächlich ist es auch echt. Denn draußen ist wirklich das Leben und zeigt sich hier in einer naturnahen und sehr subtilen Erscheinung. Wir alle kennen das, wir haben das schon oft gesehen, und jetzt werden wir daran erinnert: draußen ist das Leben, einladend und verheißungsvoll, so dass man die Krankenhauswirklichkeit eine Weile vergisst und träumt.

Sechs verschiedene Video-Projektionen verteilen sich über die gesamte Länge der Magistrale. Sie tauchen nur dort auf, wo es tatsächlich Fenster gibt, damit die Inszenierung immer realistisch erscheint. Sie blenden ein und sie blenden aus, ganz so wie es sich in der Natur verhält: Die Sonne kommt heraus, verschwindet wieder und kommt wieder heraus. Das heißt, das Schattenspiel ist nicht immer da, sondern tritt temporär in Erscheinung und liefert immer wieder angenehme Überraschungen. Im Bereich des Zugangs von außen und zugleich des Treppenhauses gibt es zwei Projektionen, die niemals gleichzeitig zu sehen sind, sondern sich ablösen.

Die Video-Inszenierungen sind nur in Betrieb, solange Tageslicht herrscht. Sie wirken als ein Erlebnisverstärker des Tageslichts. Bei Dunkelheit dagegen entstünde ein „Kino-Effekt“, der nicht beabsichtigt ist und deshalb vermieden werden soll. Auf diese Weise tritt bei einbrechender Dunkelheit – spürbar vor allem in den Wintermonaten – eine Beruhigungswirkung ein. Die ausbleibenden Projektionen signalisieren dann eine Ruhephase.

Die Beamer werden in Deckennähe angebracht. Die Projektionen erstrecken sich auf Teilbereiche der Decken und der Wände. Die Wände werden nur oberhalb der Kopfhöhe genutzt, damit die Augen einer vorbeigehenden Person niemals vom Lichtstrahl getroffen werden.

Die Inszenierungen auf Dauer (mehrere Jahre) erzeugen einen gewissen Betriebsaufwand, der jedoch ausgeglichen wird durch den relativ geringen Aufwand der anfänglichen Installation.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Arbeit „ein Hauch natürlichen Lebens" stellt eine faszinierende und überraschende Idee dar, ohne jegliche Aufdringlichkeit ein künstlerisches Konzept in den Raum zu transportieren. Eine immaterielle Schicht legt sich über die baulichen Gegebenheiten und schafft spannende und vielfältige Effekte. Die Natur mit ihren Licht- und Schattenspielen zieht sich in den Raum. Diese wechseln sich im Laufe der Tages- und Jahreszeiten ab und vermeiden jegliche Monotonie.

Sie schaffen eine kontemplative und trotzdem spannende Atmosphäre. Der Betrachter erlebt das Werk aus unterschiedlichen Perspektiven auf seinem Weg durch die Magistrale.