Bundesanstalt für Immobilienaufgaben

Candan Öztürk - "o.T."

Konzept:

1.    Künstlerische Leitidee und historischer Kontext

Der Entwurf versteht das Zollamt nicht nur als eine administrative Behörde der Gegenwart, sondern als ein lebendiges Glied in einer jahrtausendealten Kette des globalen Austauschs und Schutzes. Die visuelle Erzählung der Wandgestaltung schlägt eine Brücke von den tiefen historischen Wurzeln des Zollwesens bis hin zur modernen Identität des Standorts Soltau.

Die Geburtsstunde des organisierten Zolls und des geregelten Handels führt uns zurück zu den Sumerern, den Pionieren der Schrift, Geometrie und Verwaltung. Der Entwurf greift diese geschichtliche Tiefe auf, indem er Motive, Räume und Geschichten, die den legalen Handel, die Bewegung von Waren und die Grenzsicherung symbolisieren, in einer vielschichtigen Bildlandschaft verwebt. Dem Betrachter eröffnet sich ein visueller Raum, der diese historischen Meilensteine mit zeitgenössischen Räumen des globalen Handels verschmilzt.

2.    Symbiose aus sumerischer Geometrie und Bauhaus-Ästhetik

Ein zentrales formales Element des Kunstwerks ist die visuelle Transformation antiker Strukturen in eine moderne Formsprache. Die geometrischen Keilschriftstrukturen und formalen Ordnungen sumerischer Tontafeln werden in Analogie gesetzt zu den klaren, funktionalen Prinzipien des Bauhaus-Stils. Durch diese bewusste formale Verschmelzung entsteht eine Ästhetik, bei der die verwendeten Figuren und Symbole eine faszinierende Ambivalenz aufweisen: Sie wirken im selben Moment tief historisch verwurzelt und kompromisslos modern. Diese geometrische Abstraktion harmoniert ideal mit der Architektur des Neubaus und respektiert die Klarheit des Raumes.

3.    Das geografische Dreieck: Soltau als zentraler Knotenpunkt

Ein weiteres narratives Schlüsselelement des Entwurfs ist die strategische und zentrale Lage der Stadt Soltau, die sich im Herzen des geografischen Dreiecks zwischen den drei norddeutschen Metropolen - Hamburg, Hannover und Bremen - befindet. Diese geografische Besonderheit wird im Kunstwerk durch eine markante visuelle Metapher dargestellt. In der Komposition kreuzen sich Linien, Vektoren und Ströme, die symbolisch für die Verbindung und den Fluss von Waren, Menschen und Ideen zwischen diesen drei Zentren stehen. Soltau wird im Bild als pulsierender, zentraler Knotenpunkt (Hub) inszeniert. Dies spiegelt nicht nur die logistische und historische Realität der Region wider, sondern unterstreicht auch die fundamentale Bedeutung des Soltauer Zollamts als moderner Wächter und Vermittler an den Schnittstellen des regionalen Handels.

4.    Lokale Identität: Die Symbole Soltaus

Um den Bezug zum spezifischen Standort Soltau herzustellen, integriert der Entwurf subtil die heraldischen Elemente des städtischen Wappens. Die majestätischen Figuren des Löwen und der Burg aus der Flagge Soltaus werden nicht als bloße Kopie, sondern als abstrahierte, zeitgenössische Fragmente in das Gesamtbild eingefügt. Darüber hinaus fließen die drei charakteristischen Farben der Stadtflagge (Gold/Gelb, Blau, Rot) als leitende Farbakzente durch verschiedene Bereiche der Komposition. Sie verankern das monumentale Thema des Zolls im lokalen Kontext.

5.    Intention und Rezeption im Wartebereich

Die Wand- und Stützengestaltung ist gezielt darauf ausgerichtet, die Aufenthaltsqualität im Wartebereich nachhaltig zu erhöhen. Besucher und Mitarbeiter werden eingeladen, auf eine visuelle Entdeckungsreise zu gehen. Das Wechselspiel aus historischen und modernen Bildern regt zum Nachdenken an: Es fordert die Eintretenden dazu auf, über die Evolution des Handels, die Bedeutung von Grenzen und die Identität ihrer eigenen Stadt nachzusinnen. Die Kunst fungiert hier als kontemplatives Element, das die Wartezeit verkürzt, den Raum emotional auflädt und eine identitätsstiftende Atmosphäre schafft.


Entwurf Candan Öztürk