Bundesanstalt für Immobilienaufgaben

Despoina Pagiota - "o.T."

Konzept:

Textil als wärmender Kontrast
Inspiriert von dem Text „The Pliable Plane“ (1957) der Bauhaus-Pionierin der Textilkunst Anni Albers möchte ich Textilien als wärmenden Kontrast einsetzen, die auf den ersten Blick ohne erkennbare Funktion für einen Raum wie den Empfangsbereich eines bezugsfertigen Zollamts erscheinen. „Was durch das Fehlen von Stoffen fehlt, ist etwas, das sich warm anfühlt, das sanfte Spiel der Falten sowie der Glanz oder Flaum der Fasern im Gegensatz zu flachen, harten und kühlen Oberflächen, die aus der reinen Architektur eines Gebäudes hervorgehen.“ Basierend auf dem Zitat von Albers möchte ich als Hauptmaterial für meine Arbeit verschiedene Textilien verwenden, die den Raum des Zollamts aufwärmen werden und weicher erscheinen lassen. Sie bilden einen Kontrast zur reinen Architektur, die aus geraden, massiven Flächen und Linien, sowie unorganischen und harten Materialien entsteht.

Das Gemälde, das wie ein Flickwerk entsteht, setzt sich aus Malerei, Collage, Nähen und Sticken zusammen. Die Struktur der verschiedenen Materialien und deren Haptik wird der Fokus des Bildes sein. Auf dieser großen Collage soll der Betrachter immer neue Elemente und Details entdecken können, die je nach Blick verborgen oder sichtbar sind: ein Barcode, ein Poststempel, ein Spielzeug, das auf die Kontrolle durch das Personal des Zollamts wartet, PKW-Kennzeichen, die abgeholt werden müssen, sowie Wörter, die Grenzen öffnen oder schließen können. Die zusammengenähten Stoffe, die mit Garn – manchmal sehr fein, manchmal gröber – verbunden sind, bringen die verschiedenen Elemente zusammen oder trennen sie voneinander – genau wie Grenzen.

Die Flure, die als Hintergrund für dieses Gemälde dienen werden, werden ebenfalls bespielt: Flächen und unregelmäßige Formen in verschiedenen Farbtönen, die durch segmentierte Linien miteinander verbunden sind. Linien, die genau den Abstand und die Form haben wie Grenzen auf einer topographischen Karte und die im Gemälde erneut aufgegriffen werden. Gleichzeitig schaffen diese Linien eine Verbindung zum Zollamt und dessen Aufgabenbereich, der das tägliche Regeln und Kontrollieren dieser Grenzen umfasst.

Grenzen — topographische Karten
Aus topografischer Sicht erscheinen Grenzen als Linien auf einer Karte. Ihr Verlauf ergibt sich aus dem Zusammenspiel der Linien, insbesondere dort, wo sie aufeinandertreffen oder sich schneiden – abhängig davon, ob es sich um Staatsgrenzen, Landesgrenzen oder Gemeindegrenzen handelt. Grenzen prägen Sprache, Geschmack, Hören und Sehen. Unterschiedliche Sprachgebrauche, Ernährungsweisen, Musik und Klänge sowie verschiedene ästhetische Ausdrucksformen entstehen. Wenn Grenzen überschritten werden, verschmelzen und vermischen sich all diese Elemente und bringen etwas Neues hervor.

Ausgehend von den natürlichen Farbtönen reiner Baumwolle und Leinen entsteht eine Wandmalerei, die die gesamte Länge des Empfangsbereichs des Zollamts bespielt. Die verschiedenen Farbtöne werden teilweise durch segmentierte Linien begrenzt – ähnlich den Linien, wie man sie auf topografischen Karten findet.

Fazit
Die fünf Wände des Empfangsbereichs werden bespielt, um eine neue warme und sanfte Ebene zu schaffen. Die leichten hellen Tönen der Wandmalerei in Zusammenhang mit dem großen Gemälde brechen die harte und kühle Architektur und schaffen eine einladende Atmosphäre, die die Architektur ergänzt und eine kontrastreiche Gesamtkomposition entstehen lässt.


Entwurf Depoina Pagiota

Visualisierung: Despoina Pagiota