Bundesanstalt für Immobilienaufgaben

Gregor Passens - "Sitz - Los geht's!"

Konzept:
Der Wettbewerbsbeitrag Sitz - Los geht’s! beschreibt eine zeitgenössische Außenskulptur für den GBM Neubau zur Unterbringung von Zolldienststellen am Standort Görlitz, OT Klingewalde, Gewerbegebiet Klingewalder Höhe. Am vorgesehenen Standort C im Außenraum entsteht eine Landmarke vor dem Eingang, die den Ort begleitet, ohne Zugänge oder Funktionsbereiche zu beeinträchtigen.

Im Mittelpunkt steht ein Hund in sitzender Haltung. Die Wahl der Haltung ist als Bildidee lesbar: „Sitz“ bedeutet Ruhe, Aufmerksamkeit und Sammlung; „Los geht’s“ übersetzt den Moment danach – den Übergang von Ankommen zu Einsatz. Der Hund wird als polygonaler Körper entwickelt: Seine Silhouette bleibt aus Distanz klar und stabil, während seine Flächen und Kanten aus unterschiedlichen Perspektiven eine ruhige Spannung erzeugen. So wirkt das

Motiv zugleich geordnet und lebendig, wie eine fest gefügte Form, die den Raum nicht stört, aber sichtbar strukturiert.

Der künstlerische Kern ist die Meterstab-/Zollstock-Logik. Der Hund ist nicht „nur“ vom Zoll inspiriert, sondern aus vergrößerten Meterstab- bzw. Zollstock-Elementen aufgebaut. Diese Stablogik bildet die sichtbare Struktur des Körpers: Vergrößerte „Messstäbe“ werden zu Flächen, Winkeln und Übergängen, aus denen der polygonale Körper wächst. Damit wird Maß nicht zur Metapher, sondern zur Bauweise – das Prinzip des Messens erscheint direkt im Objekt. Gleichzeitig bleibt das Werk poetisch: Die Zollbeziehung wird über Geometrie und Form erfahrbar, präzise, sachlich und konzentriert. 

Als Material ist V2A-Edelstahl vorgesehen. Der polygonale Sitzhund wird in diesem Edelstahl ausgeführt und anschließend gelb pulverbeschichtet. Die Maß- und Zahlenstruktur wird zusätzlich als gestalterischer Schwerpunkt mit Autolack aufgebracht. So entsteht eine klare zweistufige Wirkung: Die Grundfarbe ordnet und rahmt die Form, während die gelb hervorgehobene Maßlogik die Zahlen- und Strukturidee sichtbar trägt. Die Materialität und Oberflächenqualität unterstützen außerdem die Lesbarkeit im Außenraum: Licht, Schatten und Kantenverläufe machen die polygonale Konstruktion dauerhaft wahrnehmbar.

Der Standort ist eng mit dem Alltag der Dienststelle verbunden: Auf dem Gelände befinden sich Hundezwinger sowie der Trainingsbetrieb der Zöllner. Das Werk greift diesen Kontext auf, indem es die Haltung „Sitz“ als Ruhepol und die Bereitschaft als Versprechen des nächsten Arbeitsschritts sichtbar macht. Dadurch entsteht keine abstrakte Fremdfigur, sondern ein Bezugspunkt für die dort gelebte Funktion – als Landmarke, die den Ort markiert und die Verlässlichkeit der Ausbildung im Bild verdichtet.

Die Realisierung am Standort C folgt den Sicherheits- und Tragwerksanforderungen; Stand und Befestigung werden geplant und statisch geprüft. Die Skulptur ist wartungsarm und so ausgelegt, dass sie im Außenbetrieb zuverlässig und dauerhaft funktioniert.

Die geplanten Gesamtabmessungen der Skulptur betragen Höhe 2,1 m, Länge 2,3 m und Breite 0,9 m. Das M 1:10 Modell ist ein Ideendimensionsmodell. Das Kunstwerk wird mit einem V2A-Edelstahl-Innengerippe erstellt und anschließend mit vergrößerten Meterstabteilen professionell beplankt. Die finale Aufstellung erfolgt vor Ort mit Punktfundamenten, über die die Skulptur standsicher und dauerhaft fixiert wird. In der Gesamtwirkung verdichtet Sitz - Los geht’s! die Themen Maß, Ordnung und Bereitschaft zu einer einzigen, klaren Form: einem polygonalen sitzenden Hund, gebaut aus V2A-Edelstahl, gelb pulverbeschichtet und mit Maß und Zahlenstruktur in Autolack – als dauerhafte Landmarke am Eingang des Zollstandorts in Klingewalde.

Beurteilung durch das Preisgericht:

Der künstlerische Beitrag nähert sich dem Thema mit bemerkenswerter Leichtigkeit und entwickelt daraus eine eigenständige, unmittelbar zugängliche Bild- und Formensprache. Er überzeugt durch den spielerischen Umgang mit dem Begriff „Zoll“ und dem eingesetzten Material. Der Beitrag ist auf Anhieb verständlich und zugänglich. Er macht neugierig und lädt dazu ein, sich mit den unterschiedlichen Bezügen und Bedeutungsebenen auseinanderzusetzen. Das Zusammenspiel aus einer leicht erfassbaren Grundidee und einer darüberhinausgehenden interpretatorischen Offenheit wird als Stärke des Entwurfs wahrgenommen.
Der Titel wird aufgrund seiner möglichen negativen Konnotation als unglücklich bewertet, da er einen vermeintlichen „Gehorsam“ der dort Beschäftigten suggerieren kann. Die technische Umsetzung wirft noch Fragen auf, wird jedoch grundsätzlich als lösbar eingeschätzt.

Gregor Passens - "Sitz - los geht's!"

Visualisierung: Gregor Passens