Lucy König - "vestigatio"
Konzept:
Nachforschung, Untersuchung, Aufspüren oder Nachspüren [lat. vestigatio], leitet sich vom Verb vestigare (aufspüren, einer Fährte folgen) und dem Substantiv vestigium (Fußstapfen, Spur) ab.
Gesamt
Der vorliegende Entwurf zeigt eine dauerhafte und umweltverträgliche Installation aus Bronze und Granit mit dem Titel „Vestigatio“. Sie will den Diensthunden beim Zoll ein Denkmal setzen. Ein Denkmal für Tiere im Dienst der Behörden gibt es in Deutschland bislang nicht. Die Fähigkeiten des Hundes, wie Stärke und Schnelligkeit, aber auch der überaus feine Geruchssinn und ihre Gelehrigkeit, machen sie für den Menschen zum unverzichtbaren Partner. Und so kommt es, dass der Zoll auch heute noch, wie die Menschen vor etwa 130.000 Jahren, auf die Begleitung des Hundes setzt. Die Anthropomorpha, 2017, Matthes & Seitz Berlin, S. 70 Granit
Bei der Gestaltung der Außenanlage wurde allgemein die Farbe Gelb priorisiert. Mein Entwurf schließt sich dem an und so fi el die Wahl auf einen gelbgrauen Granit. Das Gestein hat viele Vorteile: Es wird in Deutschland produziert, ist robust und werthaltig und lässt sich leicht reinigen. Ein Rohblock wird zerteilt. Die geschnittenen Blöcke ruhen dann auf je 3 “Lagerhölzern”, ebenfalls aus Granit. In dieser Anordnung drängt sich die Assoziation einer beladenen Europalette auf. Diese dient als Symbol für das europäische Behälter- und Palettensystem, welches modular aufgebaut ist. Somit steht die Palette hier als Stellvertreter für den Warenverkehr in der EU.
Im Alltag kommen die Einsatzkräfte zum Standort, um sich auszurüsten, und fahren dann zum Einsatzort. Der Entwurf verbindet nun den Einsatzort symbolisch mit dem Gebäude. Die Granitblöcke dienen darüber hinaus als Sockel für die drei Hundeplastiken aus Bronze, die mit ihnen in Beziehung treten.
Hunde
Die Hunde nehmen Witterung auf oder suchen die Gesteine ab, einer orientiert sich in eine unbestimmte Ferne.
Die Darstellung der Hunde ohne Hundeführer soll sie als individuelle Akteure im Einsatz für den Zoll zeigen, nicht in ihrer Funktion als „teures Einsatzmittel“. Podcast „voran apport“ 06/26 #73 Diensthund – DJT als Spürhund beim Zoll.
Die dargestellten Hunde sollen drei unterschiedliche Hunderassen zeigen, die üblicherweise beim Zoll eingesetzt werden. Etwa Schäferhund, Labrador Retriever, Espagneul Breton o. Ä.
Damit aus einem vielversprechenden Junghund ein Diensthund wird, braucht es die Hand des Hundeführers, der mit viel Geduld, Fachkunde und Einfallsreichtum die Entwicklung des Hundes formt.
Das traditionelle Modellieren der Figuren von Hand ist dadurch inspiriert.
Bei Beauftragung würde ich sehr gerne mit den Hundeführern vor Ort abstimmen, ob Sie ihre Hunde als Modelle zur Verfügung stellen möchten. Dadurch könnte die Beziehung der Installation zum Standort verstärkt werden und ebenso die Identifikation der Mitarbeitenden mit dem Areal.
Um eine starke Wirkung zu entfalten, fokussiert sich die Arbeit auf den Einsatz der hervorragenden Nase des Hundes und lässt andere Einsatzbereiche, etwa den als Schutzhund, in den Hintergrund treten.
Das Ziel ist die zeitgenössische Interpretation eines Denkmals für Diensthunde, das sie dort feiert, wo tierische Instinkte und menschliche Bedarfslagen eine Schnittstelle bilden. Ihre Verweildauer auf dem Sockel ist, wie ihre Bereitschaft zur Mitarbeit, selbstbestimmt.
Ein vierter Sockel bietet Platz für aktive Tiere im Dienst.
Weiteres Vorgehen
Die Umsetzung des Entwurfs beginnt mit der Auswahl des Steins. Erst dann lassen sich tatsächliche Lasten sicher bestimmen und mit der aktuellen Tragwerksplanung abstimmen.
Der Rohblock Granit wird im Werk auf die finalen Maße zersägt. Auch die „Lagerhölzer“ werden vom Granitwerk gefertigt.
Es wird eine Abformung der Oberfläche eines Teilstückes abgenommen als Grundlage für die Standfläche des erhöhten Hundes.
Wenn die Hundeführer vor Ort Interesse an einer Zusammenarbeit haben, werden anschließend mit Ihrer Hilfe die Materialien erstellt, die als Grundlage für das Modellieren dienen. Fotos und einzelne Maße reichen dafür aus.
Anschließend werden die Hundefiguren von Hand in Wachs modelliert.
Anhand dieser Urmodelle werden Negativformen aus Silikon und Gips hergestellt. Diese werden dann in der Gießerei als Grundlage für ein Wachspositiv genutzt. Dieses wird dann mit Anguss- und Abluftkanälen versehen, in eine Gips-Schamotte-Form eingefasst und anschließend das Wachs ausgebrannt. In die so bereitete Form kann nun im materialsparenden Hohlgussverfahren die flüssige Bronze gegossen werden.
Anschließend werden eben genannten Kanäle wieder entfernt und die Oberfläche zieseliert. Im Anschluss wird die Bronze in einem Farbton patiniert, der dem natürlichen Alterungsprozess ähnelt.
Am Aufstellungsort werden, wo nötig, Punktfundamente gesetzt. Anschließend können die Steine per Spedition mit Ladekran geliefert und aufgestellt werden. Bohrlöcher in Betonfliesen und Granit werden dort gesetzt, wo es für die Armierung der Bronzeplastik notwendig ist.
Beurteilung durch das Preisgericht:
Der Titel wird als gelungen bewertet, ebenso die gewählte Positionierung der Arbeit. Das Modell ist qualitativ hochwertig und handwerklich sehr überzeugend ausgearbeitet. Die Felsen bilden einen guten Kontrast zur Architektur des Hauses. Durch ihre spielerische Verteilung entstehen Passagen und unterschiedliche räumliche Bezüge. Die Anordnung der Felsen wirkt dabei im positiven Sinne provisorisch und vermittelt zugleich den Eindruck eines sehr professionell durchgearbeiteten Wettbewerbsbeitrags.
Die besondere Hervorhebung der Hundeführer wird kritisch hinterfragt, da nur ein kleiner Teil der Beschäftigten vor Ort dieser Tätigkeit nachgeht. Insgesamt wird in der Arbeit eine stärkere metaphorische Ebene vermisst. Von einigen Jurymitgliedern wird zudem die realistische Darstellung der Hunde als zu wenig abstrahiert empfunden.
Visualisierung: Lucy König