Rainer Splitt - "Imagine"
Konzept:
Für den UN-Campus in Bonn wird eine Außenskulptur vorgeschlagen, die sowohl als raumbildender Körper, als auch als plastisches Bild vielfältige Bezüge zur umgebenden Architektur, der räumlichen Situation und zum Funktionszusammenhang des Areals ermöglicht.
Für das Ensemble, in dem eine Vielzahl von Organisationen daran arbeiten für eine multipolare Welt Möglichkeiten des Interessenausgleichs auszuhandeln, entsteht mit imagine eine Skulptur welche eine nicht hierarchische multipolare Betrachtungs- und Verständnisweise fördert. Im besten Fall die Erkenntnis des Eigenen im Anderen- und umgekehrt.
Hervorstechendes Leitmotiv für imagine ist die Idee des geöffneten Geschlossenen und des geschlossenen Offenen und schlägt damit eine Brücke zum Gestaltungsprinzip des benachbarten Hochhausneubaus. Dieses Paradoxon, scheinbar unvereinbarbares gleichzeitig ins Visier zu nehmen, beschreibt im Grunde ebenso die Geschäftsgrundlage aller am UN-Campus untergebrachten Organisationen.
PROJEKTION MIT LEERSTELLEN
Die Skulptur präsentiert sich als 3,40Meter hohe und 10,50 m lange allseitig hellblau spiegelnde Wand, in die von beiden Seiten unregelmäßige großformatige „händische“ Öffnungen geschnitten sind. In der farbig hochglanzverspiegelten Metalloberfläche erkennt der Betrachter sich als eingefärbtes Selbst; die „Leerstellen“ geben den Blick frei auf die Wirklichkeit hinter dem Bild. Die Frage, was als Positiv- und was als Negativform ist, gemeinter ober nicht gemeinter Teil des Bildes sein könnte, wird bewußt offen gelassen und dem Betrachter überantwortet, der, je nach Standpunkt zu unterschiedlichen Schlüssen gelangen kann.
Beurteilung durch das Preisgericht:
Bei dem Kunstwerk „Imagine“, das zwischen Erweiterungs-neubau und Altem Abgeordnetenhochhaus platziert werden soll, handelt es sich um eine doppelwandige Fläche aus hochglänzenden Edelstahlblechen, die auf Doppel T-Trägern angebracht sind.
Die sich ergebenden verspiegelten Flächen enthalten unregelmäßig geformte Öffnungen, die als „individuelle Löcher“ gesehen werden. Sie entsprechen einer imperfekten Handzeichnung, da die Löcher ungleichseitig auf beiden Seiten ausgeschnitten sind und dadurch einen Einblick in den Innenraum der Skulptur ermöglichen.
Mittels der Durchblicke und Spiegelungen wird die Wirklichkeit gerahmt und gewandelt in unterschiedliche Bilder, bestimmt vom jeweiligen Auge, von Position und Perspektive des Betrachters.
Diese „individuellen Löcher“ – als Leerstellen oder als „das Nichts“ werden zu einem Bestandteil der Skulptur. In der farbig hochglanzverspiegelten Metalloberfläche erkennt der Betrachter sich auch als „eingefärbtes Selbst“.
Der Standort fast parallel zum Weg wird kritisch diskutiert und sollte nochmals überprüft werden.
Insgesamt überzeugt die Arbeit durch ein stringentes Konzept und die Vielschichtigkeit ihrer Wahrnehmung.
Visualisierung: Rainer Splitt